Artikel vom: 16. August 2006
St. Pölten ist die Landeshauptstadt des größten österreichischen Bundeslandes Niederösterreich. Mit 49.121 Einwohnern (Stand: Volkszählung 2001) ist sie auch die größte Stadt Niederösterreichs. Die Stadt befindet sich inmitten des so genannten Mostviertels und hat eine Fläche von 108,52 km2. St. Pölten ist Statutarstadt und somit sowohl Gemeinde als auch Bezirk.
St. Pölten liegt am Fluss Traisen und befindet sich im nördlichen Alpenvorland, südlich der Wachau. Sie zählt somit zum Mostviertel, dem südwestlichen der vier Viertel Niederösterreichs.
Geschichte von St. Pölten
Die Altstadt befindet sich dort, wo vom 1. bis zum 4. Jahrhundert die Römerstadt Aelium Cetium stand. 799 wurde der Ort selbst als “Treisma” erwähnt. Bereits seit 771 findet sich das dem hl. Hippolyt geweihten und von Kloster Tegernsee aus gegründete Benediktinerkloster am Ort. Der Name St. Pölten geht auf den heiligen Hippolytos zurück, nach dem Kloster und Stadt benannt wurden: St. Hippolyt – St. Polyt – St. Pölten
Das Marktrecht erhielt St. Pölten um 1050. 1081 wurde das Benediktinerkloster in ein Augustiner-Chorherren-Stift umgewandelt. Zur Stadt erhoben wurde St. Pölten 1159 durch Bischof Konrad von Passau. Um 1250 wurde eine neue Stadtmauer errichtet. 1338 erfolgte die Verleihung eines neuen Stadtrechts durch Bischof Albrecht II. von Passau. 1481 erfolgte die Verpfändung St. Pöltens, das sich im Besitz des Bistums Passau befand, durch Bischof Friedrich Mauerkirchner an den König Matthias Corvinus. 1494 wurde es landesfürstliches Eigentum.
Nach 1560 bekannte sich ein Grossteil der Bevölkerung zum evangelischen Glauben. Nach 1575 setzte die Gegenreformation in St. Pölten ein, die ab 1623 abgeschlossen war. Nach 1690 erfolgte die Umgestaltung St. Pöltens zur Barockstadt unter den Baumeistern Jakob Prandtauer (1660-1726) und Joseph Munggenast (1685-1741). 1784 wurde das Stift Sankt Pölten der Augustinerchorherren aufgehoben. Die Gebäude dienen seit 1785 als Bischofssitz der im Zuge der Josephinischen Reformen entstandenen Diözese St. Pölten, die das westliche Niederösterreich umfasst. Erster Bischof war bis 1792 Johann Heinrich von Kerens. Am 11. November 1805 zog Napoleon zum ersten Mal in St. Pölten ein. Auch 1809 war die Stadt von französischen Truppen besetzt.
Mit der Eröffnung der Wiener Westbahn 1858 und der späteren Errichtung weiterer Nebenbahnen entwickelte sich St. Pölten langsam zur Industriestadt. Nach 1903 kam es zur Gründung wichtiger Großbetriebe wie der Papierfabrik Voith, der 1. Österreichischen Glanzstoff-Fabrik AG und der Bahn-Werkstätten. Nach dem Zusammenbruch der K.u.K-Monarchie 1918 war St. Pölten von den politischen Nachkriegswirren in Österreich wie dem Bürgerkrieg 1934 und dem Anschluss Österreichs 1938 natürlich ebenfalls betroffen. 1922 waren erste Eingemeindungen und die Erhebung St. Pöltens zur Statutarstadt erfolgt. 1945 waren mit Ende des Zweiten Weltkriegs 39 % der Häuser der Stadt durch Kriegsfolgen beschädigt oder zerstört. Die Stadt war 1945 bis 1954 von sowjetischen Truppen besetzt. 1972 überschritt St. Pölten durch Eingemeindungen erstmals die 50.000-Einwohner-Grenze.
Zur Landeshauptstadt von Niederösterreich wurde St. Pölten mit Landtagsbeschluss vom 10. Juli 1986. St. Pölten hatte sich zuvor mit 45% bei einer Volksbefragung am 1. und 2. März 1986 gegen Krems (29%), Baden (8%), Tulln (5%) und Wiener Neustadt (4%) durchgesetzt. Seit 1997 ist St. Pölten nach dem Auszug der Landesbehörden aus Wien und dem Bau des Landhausviertels auch Sitz der niederösterreichischen Landesregierung.