Der Wiener Zentralfriedhof – Ort der Trauer und Toleranz

Artikel vom: 2. November 2009


Der Zentralfriedhof in Wien zählt zu den größten Friedhöfen der Welt. 330.000 Gräber, 1000 Ehrengräber, 2,5 Millionen Quadratmeter und drei Millionen Menschen die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben – das ist der Zentralfriedhof in Simmering in Zahlen. Aber der Wiener Zentralfriedhof ist noch mehr. Er ist ein Platz der Ruhe, der Trauer und auch der Toleranz, denn hier findet jeder seine Ruhe, ganz gleich welche Weltanschauung er hatte, welcher Religion er angehörte oder welcher Herkunft er war.

friedhofDiese Haltung hat bei der Einweihung des Friedhofs vor 135 Jahren für Diskussionen gesorgt. Obwohl alle Konfessionen hier einen Platz finden sollten, wurde der Zentralfriedhof am 30. Oktober 1874 mit einem römisch-katholischen Zeremoniell eingeweiht. Schon am 1. Januar 1874 wurde hier der Erste zu Grabe getragen. Es war Jakob Zelzer aus der Josefstadt, der in der Gruppe 0, Reihe 0 und Grab Nummer eins, beerdigt wurde.

Auch heute ist der Friedhof immer mal wieder in der Diskussion, denn neben den beiden christlichen Konfessionen, werden auf dem Zentralfriedhof auch Menschen jüdischen Glaubens genauso bestattet wie Buddhisten, Orthodoxe und Muslime. In der Gruppe 26 haben alle die ihre letzte Ruhe gefunden, die ihren Körper der Wissenschaft zur Verfügung gestellt haben.

Seit 1999 gibt es den Park der Ruhe. Hier bekommen Angehörige die Gelegenheit mit ihrer Trauer in der Natur allein zu sein. Unter alten Bäumen kann gebetet und meditiert werden, damit das „Loslassen“ einfacher wird. Im Mai dieses Jahres wurde der Waldfriedhof eingeweiht. Zwölf Verstorbene haben bereits ihr Grab unter Bäumen gefunden. Nach einer gewissen Zeit lösen die Urnen sich auf und die Toten bilden mit dem Baum eine Einheit. 36 dieser Bäume ohne Inschrift und ohne Kreuz gibt es auf dem Waldfriedhof.

Aber der Wiener Zentralfriedhof ist nicht nur ein Ort der Ruhe. Schon mehrmals haben hier die Sänger der Wiener Staats- und Volksoper gesungen, von Haydns „Schöpfung“ bis zur „Westside Story“ von Leonard Bernstein reichte dabei das Repertoire.

Am heutigen Allerheiligen wird sich der Wiener Zentralfriedhof wieder in ein Lichtermeer verwandeln, wie Tausende andere Friedhöfe auch.

Foto: © Kevin Kratka – Fotolia.com

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