Der Fall Krems bekommt eine neue Dimension

Artikel vom: 26. Oktober 2009


Kaum ein Kriminalfall der letzten Zeit hat so viel Staub aufgewirbelt und wird so kontrovers diskutiert, wie der so genannte Fall Krems. Was war geschehen? Am 5. August diesen Jahres versuchten zwei Jungen im Alter von 14 und 16 Jahren in einen Supermarkt in Krems einzubrechen und wurden dabei von der Polizei überrascht. Es fielen Schüsse.

pistoleDer 14-jährige wurde durch den Schuss aus einer Polizeipistole, der laut Gutachter aus einer Entfernung von 180 bis 200 Zentimeter abgefeuert wurde, in den Rücken getroffen und starb, dem Älteren wurde von einer Polizistin der Oberschenkel durch schossen. Die beiden Polizeibeamten gaben zu Protokoll, sie hätten sich bedroht gefühlt (der 14-jährige hatte eine Harke in der Hand) und zum eigenen Schutz geschossen. Zudem sei es dunkel gewesen, was die Lage noch unübersichtlicher gemacht habe.

Seit diesem Vorfall reißt die Diskussion nicht ab. Wer sind in diesem Fall die Täter und wer die Opfer? War die ganze Aktion gerechtfertigt oder nur eine völlige Überreaktion der Polizeibeamten? Für neuen Zündstoff sorgt jetzt die Verteidigerin des 16-jährigen, Nadja Lorenz, die in Polizeikreisen nicht gerade den besten Ruf genießt. Sie wirft den Beamten vor, mit Absicht geschossen zu haben.

Gegen den Beamten der den tödlichen Schuss abgefeuert hat, wird genau wie gegen den 16-jährigen überlebenden Jugendlichen, Anklage erhoben. Jetzt ist der mit Spannung erwartete Abschlussbericht da, der allerdings von Ermittlern in Oberösterreich gemacht wurde, um dem Vorwurf der Befangenheit durch die Kremser Kollegen im Vorfeld zu entgehen. Der Beamte soll nun auf Antrag von Nadja Lorenz noch einmal vernommen werden. Diesmal aber nicht von seinen Kollegen in Krems, sondern von einem Staatsanwalt. Wie das Verfahren ausgehen wird, ist noch völlig unklar. Die Spanne was das Urteil angeht, reicht von einem Freispruch bis zu einer Anklage wegen Mordes.

Foto: © Keith Garvelink – Fotolia.com

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