Artikel vom: 21. September 2009
„Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, wer dieses Lied hört denkt wahrscheinlich an Marlene Dietrich und ihre sündig-verruchte Darstellung der feschen Lola im Blauen Engel. 1930 spielte sie jene „Feme fatale“, die dem biederen Professor Immanuel Rath um alles bringt was ihm lieb und teuer ist. Jetzt ist der Blaue Engel am Theater in der Josefstadt in Wien zu sehen. Leider ist die Lola nicht mehr so fesch und so sündig, sondern einfach nur nett. Das reicht allerdings nicht aus um diesen Frauentyp, wie ihn sich Heinrich Mann in seiner Erzählung einst ausgedacht hat, zu verkörpern.
Katharina Straßer als Lola gibt sich alle erdenkliche Mühe, aber es reicht einfach nicht. Sicher ist es schwer sich an Marlene Dietrich messen zu lassen, aber nur ein wenig von der legendären Marlene hätte schon gereicht, um ihrer Lola ein bisschen mehr Leben einzuhauchen.
Ganz anders dagegen Erwin Steinhauer. Er spielt den unglücklichen Professor der jener Lola verfällt, einfach großartig. Tragisch ist er und verzweifelt, zuweilen komisch und anrührend. Erwin Steinhauer macht aus der Inszenierung von Herbert Föttinger eine „One-Man Show“ und füllt die Bühne mit seiner Präsenz. Er ist kein zweiter Emil Jannings, sondern ein erstklassiger Erwin Steinhauer, dem das Publikum den tiefen Fall des Professors in all seiner Tragik abnimmt.
Exzellent sind auch die vermeintlichen Nebenrollen besetzt. Peter Scholz als schmieriger Zauberkünstler Kiepert und Sona MacDonald als seine Frau Guste sind neben Steinhauer die eigentlichen Stars im Blauen Engel. Besonders Sona MacDonald gibt eine hinreißende Vorstellung und einige sind sogar der Meinung, sie wäre die bessere Lola gewesen.
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