Artikel vom: 18. September 2005
Die Beziehungen Österreichs zu Deutschland sind eng und vielfältig. Dies gilt für die Bereiche Politik, Wirtschaft und Kultur, aber auch für den Kontakt zahlreicher Menschen im wechselseitigen Besuchsverkehr und Tourismus.
Politische Beziehungen
Deutschland und Österreich unterhalten als unmittelbare Nachbarn in Europa gute und vertrauensvolle bilaterale Beziehungen. Dies gilt auch für die Zusammenarbeit im EU-Rahmen. Das gute Einvernehmen spiegelt sich nicht nur in hochrangigen politischen Kontakten und Treffen von Parlamentariern wieder, sondern setzt sich über zahlreiche Verflechtungen in allen gesellschaftlichen Gruppen bis weit in die Privatsphäre fort. Angesichts einer Vielzahl von politischen und sozialen Herausforderungen, die sich in beiden Ländern ähnlich stellen, gilt den Vorgängen im Nachbarland gesteigerte Aufmerksamkeit.
Wirtschaftliche Beziehungen
Beide Volkswirtschaften sind eng miteinander verflochten, – beim Warenhandel, bei den grenzüberschreitenden Dienstleistungen oder bei den jeweiligen Direktinvestitionen im anderen Land. Erst mit dem Beitritt Österreichs zur EU lässt sich bei beiden Partnern eine Diversifizierung der Handelsströme feststellen.
Im Warenhandel ist Deutschland zwar traditionell die Nr. 1 der österreichischen Abnehmerländer (Verbrauchsländer), doch Deutschlands Anteil sank von 39% aller Warenexporte (1993) auf 32% im Jahre 2003. Der Wert der österreichischen Warenexporte nach Deutschland erreichte 2003 nach österreichischer Statistik 25 Mrd. EUR, nach deutscher gut 21 Mrd. EUR.
Bei den österreichischen Gesamteinfuhren sank der Anteil aus Deutschland von 44,5% (1993) auf 40,8% (2003). Der Wert der österreichischen Warenimporte aus Deutschland betrug 2003 nach österreichischer Statistik 32,6 Mrd. EUR, nach deutscher 35,2 Mrd. EUR.
Österreich steht 2003 bei den Lieferländern Deutschlands (Ursprungslandprinzip) auf dem 8., bei den Absatzländern (Bestimmungslandprinzip) auf dem 6. Platz.
Österreich importierte 2003 36,5% aller grenzüberschreitenden Dienstleistungen aus Deutschland. Dieser Anteil lag im Jahre des EU-Beitritts Österreichs (1995) bei 33,6%.
Der wichtigste Posten im Dienstleistungsverkehr ist für Österreich der Tourismus. Dabei machen die Touristen aus Deutschland, gemessen an den Ausländerübernachtungen, das Gros aus (61,2% aller des Jahres 2003). Im Trend nimmt der deutsche Anteil ab, aber der absolute Wert liegt im Mittel der Jahre 1994-2003 bei 54,7 Mio. deutschen Übernachtungen p. a.
Auch bei den Direktinvestitionen bestätigt sich die enge Verflechtung: Direktinvestoren aus Deutschland 2003 halten einen Anteil von 39,4% am Marktwert aller ausländischen Direktinvestitionen in Österreich (absolut: 16,3 Mrd. EUR deutscher Anteil).
Die österreichischen Direktinvestitionen konzentrieren sich auf Deutschland, Tschechien, Ungarn, Großbritannien und die Niederlande. Der Anteil Deutschlands als Zielland österreichischer Direktinvestitionen macht, gemessen am Marktwert, 18,1% oder 7,3 Mrd. EUR aus. Die österreichischen Direktinvestitionen im Ausland sind stärker diversifiziert.
Österreich beschäftigt in den letzten Jahren immer mehr Gastarbeiter aus Deutschland, meist Saisonniers, die im Fremdenverkehrsgewerbe arbeiten (knapp 2.000 Deutsche im Winter 2003/04).
Kulturelle Beziehungen
Der deutsch-österreichische Kultur- und Wissenschaftsaustausch ist so intensiv und vielfältig wie mit keinem anderen Land. Zahlreiche deutsche Dirigenten, Orchester, Musiker, Sänger, Regisseure, Theaterdirektoren und Schauspieler arbeiten häufig in Österreich und umgekehrt. Gleiches gilt für Gastprofessoren und Vortragende. Berufungen erfolgen oft grenzüberschreitend. Im Wintersemester 2003 studierten lt. Statistik des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Österreich insgesamt 5.701 deutsche Studenten (= 17,45% der ausländischen Studierenden), davon 784 (= 24,1% an dessen renommierten Musik- und Kunstuniversitäten). Rund 6.400 Österreicher studierten an deutschen Hochschulen.
Prüfungszeugnisse werden gegenseitig anerkannt (Deutsch-österreichisches Äquivalenzabkommen vom 13.06.2002, Abkommen über Gleichwertigkeiten in der beruflichen Bildung von 1990, EU-Anerkennungsrichtlinien). Da es in Österreich keine Zulassungsbeschränkung an Universitäten gibt, wird von Studienbewerbern mit ausländischem Reifezeugnis der Nachweis eines Studienplatzes im betreffenden Land als Voraussetzung für die Studienaufnahme in Österreich gefordert. Seit dem Wintersemester 2001 müssen deutsche Studenten denselben Studienbeitrag zahlen wie österreichische (363,36 EUR; 13,86 EUR Studierenden- und Versicherungsbeitrag).
Die Buchmärkte sind durch gemeinsame Sprache und Buchpreisbindung besonders eng verbunden. Zahlreiche österreichische Schriftsteller publizieren in deutschen Verlagen.
Für die Kulturbeziehungen engagieren sich in Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft in Wien insbesondere die Österreichisch-Deutsche Kulturgesellschaft (Sitz in Wien und Sektionen in Linz und Graz) sowie der Wiener Goethe-Verein, die ältesten Goethe-Gesellschaft überhaupt. Das Goethe-Institut ist in Österreich nicht vertreten.
Die Medienmärkte sind eng verbunden: Genannt seien die Beteiligung deutscher Verlage an österreichischen Medienunternehmen, Koproduktionen in Rundfunk, Fernsehen und Film sowie die Kooperation bei 3sat und Arte. Intensive wechselseitige Berichterstattung führt zu vielen Gemeinsamkeiten und Überschneidungen in der öffentlichen Diskussion politischer, wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Themen.
Von den grenzüberschreitenden Dienstleistungen Österreichs gingen 2003 39,3% nach Deutschland. 1995 lag deren Anteil noch bei 47,1%.
Weiterführende Links:
Österreich Informationen
Deutschland Informationen
Das ambivalente Verhältnis zwischen Deutschen und Österreichern
Buchtipp: Österreich für Deutsche
Quelle Deutsches Außenministerium 12 2004