Land Kärnten verkauft HYPO Alpe Adria an BayernLB

Artikel vom: 21. Mai 2007


Renate Graber von der österreichischen Tageszeitung Der Standard kommentiert den überraschend schnellen Verkauf der Kärntner Landesbank Hypo-Alpe-Adria an die BayernLB.

(OTS/red) Der Kärntner Landeshauptmann fackelt nicht lange. Er schafft Fakten, unverrückbare. Das eindrücklichste Beispiel ist sattsam bekannt: Die Kärntner Ortstafeln, die Jörg Haider (BZÖ) eigenhändig verrückt hat, auf dass sie einsprachig bleiben – entgegen dem Auftrag des Verfassungsgerichtshofs.

Der Verkauf der landeseigenen Hypo Alpe Adria ist auch verrückt – und vor allem sehr aufklärungsbedürftig. Das Land Kärnten braucht dringend Geld, der von Landeshauptmann Jörg Haider angepeilte Börsengang der Bank lässt sich jedoch nicht so schnell umsetzen. Stichworte: hunderte Millionen Spekulationsverluste, gerichtliche Untersuchungen gegen den
Aufsichtsratchef der Bank, Ex-Bankchef Wolfgang Kulterer, gegen Ex-Vorstandsmitglieder, eine noch immer nicht abgeschlossene Vorortprüfung der Notenbank. Macht alles keinen schlanken Fuß.

Der Blitzverkauf an den langjährigen Bawag-Aktionär Bayerische Landesbank, der beim Bawag-Verkauf das Nachsehen hatte und sich seinen Einstieg in Österreichs zweitaufregendste Bank satte 1,6 Milliarden Euro kosten lässt, macht das auch nicht. Während die Kontrollgremien der Verkäufer (Land und Grazer Wechselseitige) noch
über den Abtretungsverträgen an den Investor und künftigen Bankchef Tilo Berlin brüteten (seine Investorengruppe übernahm eine Sperrminorität), war Hypo-Präsident Kulterer mit Berlin längst einen Schritt weiter. Er verhandelte den Weiterverkauf an die BayernLB.

Das Kontrollgremium der Kärntner Landesholding konnte nur noch abnicken. Keine Ausschreibung. Keine Suche nach besseren Angeboten. Keine Aufklärung, wer hinter Tilo Berlin steht, der am Weiterverkauf kräftig verdienen wird. Keine Antwort auf die Frage, wozu es den Zwischenhandel mit Berlin überhaupt gebraucht hat. Dafür ist alles blitzschnell gegangen.

Info HYPO-Alpe-Adria:
Die Hypo Alpe-Adria-Bank ist eine 1896 gegründete Bank des Landes Kärnten die derzeit in elf Ländern (Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Italien, Kroatien, Liechtenstein, Montenegro, Österreich, Serbien, Slowenien und Ungarn) tätig ist. Aufgabe der Hypo-Bank war vormalig die Finanzierung öffentlicher Institutionen. Seit 1982 agiert die Hypo Alpe-Adria-Bank als Universalbank. 1991 wurde die Bank in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Info BayernLB:
Die BayernLB (bis 2005 „Bayerische Landesbank“) in München ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Die Landesbank ist Hausbank des Freistaates Bayern und Zentralbank für die bayerischen Sparkassen. Mit Ausnahme der Führung von Spareinlagen betreibt das Institut als Universalbank alle Arten von Bankgeschäften.

Weiterführende Links:
Kärnten Informationen
Der Standard
BayernLB
HYPO-Alpe-Adria

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