Artikel vom: 12. Februar 2009
Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde das Wiener Burgtheater mit einem pathetisch ausgewählten Stück im Jahr 1955 nach seinem Wiederaufbau eröffnet. Der Name: „König Ottokars Glück und Ende“ von Franz Grillparzer. Ein Stück über einen machttrunkenen König, dessen Fall durch seine Beweggründe bereits im Vorhinein besiegelt scheint.
Patriotismusspritze für Österreich
Dieses Stück wurde aufgrund seines unverhohlenen Patriotismus gewählt, den vor allem die letzten Worte herausstreichen, sowie seiner revolutionären Gesinnung gewählt. Das Stück, das Grillparzer zunächst dem Machtfanatiker Napoleon widmen wollte, es aber aufgrund der strengen Zensur nicht konnte, war auch am Burgtheater 1825 uraufgeführt worden. Grillparzer taucht immer wieder als der österreichische Dichter in der Theatergeschichte unseres Landes auf und bei einem Blick auf sein Werkregister einhergehend mit seiner Persönlichkeit verwundert dies kaum.
Grillparzer – Gespaltener Mensch
Er war ein sehr gespaltener Mensch, in seinen persönlichen Aufzeichnungen und Tagebüchern kann man deutlich die sehr wienerischen Charakterzüge eines „Raunzers“ und „Owizahrers“ bemerken. Obwohl er sehr wohl in der K&K Monarchie seine Karriere bis zum Direktor des Hofkammerarchivs vorantreibt, schreibt er doch immer wieder Anekdoten seiner Praxis nieder, sich erst dann den Aktenbergen auf seinem Tisch zu widmen, wenn er vor der Tür Schritte höre und jammert zeitgleich über sein ungerechtes Schicksal, sich nicht ausschließlich seinem dramatischen Naturell widmen zu können.
Urlaubsanträge an den Kaiser
Aus der Ambivalenz seines Charakters ergab sich auch seine schwierige körperliche Konstitution. Er beklagte immer wieder ein Nervenleiden, dass er in Selbstdiagnosen halb psychosomatisch, halb infektiös kommentierte. Aufgrund dessen suchte er auch extrem oft um Urlaub an, sogar beim Kaiser persönlich, wenn ihm dies von seinen Vorgesetzten verweigert wurde, was ein weiterer Hinweis auf seine ausgeprägte Egomanie ist. Aus seiner körperlichen Verfassung leiteten sich auch seine Schaffensphasen ab, denn nur im Schmerz fand er die Inspiration, die aus seinem umfassenden historischen und archivarischen Wissen, jene Texte zu kreieren verstand, die uns bis heute so nahe gehen. Sobald es ihm gesundheitlich wieder besser ging, war er also abermals unzufrieden, weil mit zunehmender Gesundheit seine Inspiration wieder verschwand.
Freund der Revolution
Zeit seines Lebens fühlte sich Grillparzer also in einem Dilemma gefangen und dieses Leben dauerte für den 1791 Geborenen trotz aller Widrigkeiten 81 Jahre lang. Seine Werke strotzen von Patriotismus und dem Ruf nach Revolution gleichzeitig, mag ihre Handlung nun im antiken Griechenland oder in Böhmen Platz nehmen. Ein Grund für die revolutionären Tendenzen ist natürlich auch die Französische Revolution, die in der Bildungszeit Grillparzers stattfand und die er doch mit erhöhtem, vor allem ästhetischem Interesse verfolgte.
Als Konklusion kann festgehalten werden, dass es Franz Grillparzer mit seiner Bildung und seiner Charakterdisposition verstand, die überlieferten Mythen und Geschichtsereignisse in die Nähe einer Freud´schen Ära zu bringen, wie es wohl nur zu eben jener Zeit an eben jenem Ort möglich war.
Weiterführende Links:
Franz Grillparzer – Informationen auf Wikipedia
franzgrillparzer.at
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