Artikel vom: 1. Dezember 2008
Wer Wien verstehen will, sollte auf keinen Fall die Aufführung eines Nestroy Stückes versäumen und dies wird nicht schwierig sein, denn Johann Nepomuk Nestroy hat in dieser Stadt immer Saison und das an den größten und wichtigsten Bühnen der Stadt, welche wiederum zu den wichtigsten Bühnen des deutschen Sprachraums gehören.
Nestroy – Humorverständnis erforderlich
Zum Verständnis sollte man ein Ohr für österreichische Intonation und Artikulation mitbringen, etwas Humorverständnis für Derbes haben und gleichzeitig die Fähigkeit in sich tragen, aus eben diesem Gemisch die subtilen und kritischen Töne heraus zu hören, welche damals wie heute den Menschen ein wunderbares Spiegelbild vorzuzeigen verstehen und gleichzeitig immer gut für politisches Anprangern sind.
Nestroy wuchs im bürgerlichen Milieu auf
1801 wurde der große österreichische Theatermacher in Wien in eine bürgerliche Familie hinein geboren, welche ihm und seinen sieben Geschwistern der Zugang zu einer höheren universitären Bildung ermöglichte. Sein Vater ließ ihn dem Jura Studium zuführen, doch schon währenddessen begann der Sohn, dem noch Großes bevorstand, an kleinen Wiener Bühnen als Schauspieler zu arbeiten. Er begann an Opernbühnen, wechselte jedoch im Laufe der Jahre hin zur Schauspielerei und begann parallel dazu, selbst Bühnenstücke zu verfassen.
Mit „Lumpazivagabundus“ feierte er in Wien seinen ersten großen Erfolg und bis zu heutigen Tagen ist diese Zauberposse sein beliebtestes Stück geblieben. Alle seine Stücke haben einen Hang zum Phantasievollen, sogleich sie doch zu den Volksstücken zählen. Diese Färbung erlaubt Johann Nepomuk Nestroy als Autor besondere Freiheiten, die in den Zeiten des politischen Vormärz ansonsten wohl kaum möglich gewesen wären.
Geschicktes Umgehen der Metternich-Zensur
Um die Zensur des strengen und mächtigen Metternichs zu umgehen, nahm er sich die Spielart der in das Stück eingeschobenen Gesänge zu Hilfe. Die so genannten Couplets wurden nahtlos in die Handlung eingefügt und hatten keine vorbestimmte Länge. Nestroy selbst dichtet die ersten Strophen, die weiteren konnten je nach Mut und Engagement des Theatermachers selbst gedichtet und ausgerichtet werden. Dieses Hilfsmittel erlaubte es, jeden Abend neu zu gestalten und dadurch die Zensur des geschriebenen Wortes zu umgehen.
Auch bei den heutigen Aufführungen gehören diese Querschläger auf die Politik und Gesellschaft zu den Lieblingsszenen des Publikums und werden mit lautem Lachen und Klatschen bei besonders mutigen tagespolitischen Aussagen honoriert.
Wie am Theater so üblich, wurde auch Nestroys Leben nicht nur von einer Frau begleitet. Er war einmal verheiratet. Diese Beziehung ging jedoch schon in jungen Jahren auseinander. Daraufhin erwählte er sich die Sängerin Marie Weiler als Lebensmenschen. Die beiden heirateten jedoch nie und ihre Liaison wurde von zahlreichen Affären seinerseits überschattet.
1862 verstarb Nestroy an seiner letzten Lebensstation in Graz. Es wurde ihm jedoch später noch nach seinem Tod ein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof genehmigt, in welches seine Überreste überführt wurden und noch bis heute zu besuchen sind. Autorin: Tatjana Rauth
Weiterführende Links:
Internationales Nestroy Zentrum
Johann Nestroy (Wikipedia)