Artikel vom: 26. November 2008
Still, unberührt, kräftigend, kurios und einzigartig – das ist das Waldviertel. Eine äußerst interessante aber noch weitgehend unbekannte Region im nördlichsten Teil Österreichs an der Grenze zu Tschechien, abseits der Hektik urbaner Zentren und fern des großen Fremdenverkehrs. Schlichtweg ein Geheimtipp, um malerisch auffällig schöne Landschaften zu genießen und dabei vor allem Ruhe und Kraft zu tanken.
Was macht den Reiz dieses magischen Viertels aus?
Bläst auch der böhmische Wind scharf aus dem Norden, sind schnelle Wetterwechsel typisch, so ist es doch auch das leichte Reizklima, welches die gesündeste Region Österreichs ausmacht. Das besonders reizvolle an dieser Gegend sind bestimmt die enorme Weite, die großflächigen Naturräume und die spärliche Besiedelung.
Kulturelles auf hohem Niveau
Besonders im Oberen Waldviertel, lange durch den eisernen Vorhang benachteiligt und erst seit der Ostöffnung besser erschlossen, sind Tankstellen, Einkaufszentren und Modetempel abseits der größeren Städte wie Zwettl, Gmünd, Krems, Horn und Waidhofen an der Thaya rar gesät bis nicht vorhanden.
Kulturell jedoch hat sich diese Region hervorragend entwickelt und kann seinesgleichen suchen. Angefangen vom nördlichsten Berufstheater Österreichs, dem Wald4tler Hoftheater in Pürbach bei Schrems, bis zu vielen, vor allem musikalischen Veranstaltungen.
Bereits seit drei Jahrzehnten findet jeweils am Schulschlusswochenende Ende Juni das weit über seine Grenzen hinaus bekannte und eines der längst dienenden Festivals in Österreichs, das dreitägige Internationale Musikfest in Waidhofen an der Thaya statt. Historisch gut erhaltene Dorf- und Stadtbilder teils mit vollständig erhaltener Stadtmauer, Sgraffitohäuser mit mittelalterlichen Kunstwerken und viele weitere Kulturdenkmäler sind hier in einer Dichte, die selten zu finden ist.
Das Herz des Waldviertels – Waidhofen an der Thaya
Will man das Waldviertel erkunden, so sollte man im Herzen dessen, in Waidhofen an der Thaya damit beginnen. Denn, alle Wege führen zwar nach Rom, im Waldviertel allerdings nach Waidhofen an der Thaya – laufen hier doch die wichtigsten Verbindungsstraßen zusammen.
Egal ob man via Linz aus Salzburg/München kommend oder aus der österreichischen Bundeshauptstadt Wien anreist: Waidhofen an der Thaya ist davon ca. 120 km entfernt und in etwas mehr als einer Stunde bequem über gut ausgebaute Bundesstraßen oder mit der Bahn aus Wien – der legendären Franz-Josefs-Bahn – erreichbar.
Aus weiter Ferne sichtbar ragt der markante Turm der barocken Stadtpfarrkirche, auch Dom des Waldviertels genannt, aus dem leicht hügelig gelegenen harmonischen Stadtbild der kleinen Bezirkshauptstadt Waidhofen an der Thaya heraus.
Als Mitglied der Stadtmauernstädte zeichnet es sich vor allem durch gut erhaltene Stadtmauernteile und durch das Renaissance-Rathaus mit seinen Stufengiebeln aus. Das Theater an der Mauer (TAM) und der Musikclub Igel haben dort sogar Teile der mittelalterlichen Stadtmauer in ihren Stätten integriert. Ein mystischer Schauplatz ist die an der Umfahrungsstraße gelegene große Steinbasilika, ein aus 97 Dioritfindlingen beeindruckendes Naturkunstwerk. Unweit von Waidhofen, etwa 10 km südlich, liegt das weniger bekannte Schloss Schwarzenau. Mit seinem romantischen Schlosspark ist es auf jeden Fall einen kurzen Abstecher wert.
Eine selektive Auswahl an interessanten Sehenswürdigkeiten
Die nördlichste Stadt Österreichs, Litschau, ist nicht nur der Geburtsort der berühmten Gebrüder Schrammel, sondern auch wegen dem wildromantischen Herrensee – dem größten See in der Umgebung – und als Luftkurort bekannt. Mit einer Außenstelle der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik wird es jedoch auch häufig als der Kältepol Österreichs bezeichnet. Schneewandern, Langlaufen, Eislaufen und –schießen in romantisch verschneiter Natur sind gerade deshalb hier herrlich möglich.
Nur mehr knappe 7 km sind es von Litschau bis an die Tschechische Grenze zur nördlichsten Gemeinde Österreich nach Haugschlag. Gleich am Ortsanfang weist ein Schild auf das Naturdenkmal, den gugelhupfförmigen Hutstein hin. In Rottal, einem Ortsteil von Haugschlag befindet sich das GH Perzy, das nördlichste Gasthaus Österreichs und unweit davon, dort wo sich der 15 Längengrad und der 49 Breitengrad schneiden, kennzeichnet ein Meridianstein den nördlichsten Punkt Österreichs, welcher auch Ausgangspunkt eines Weitwanderweges ist.
In Heidenreichstein prägt die schönste und besterhaltenste Wasserburg Österreichs dieses verzauberte Stadtbild. Besonders sehenswerte Steinformationen finden sich unweit von Heidenreichstein in Altmanns, die als Geyer-Gedenkstätte bekannten ehemaligen Teufelssteine und den hängenden Stein im Naturpark Hochmoor-Gemeindeau Heidenreichstein. 7000 Jahre alte Hochmoore, die in ehemaligen Gletscherwannen entstanden sind und ohne Grundwasser nur mit der Feuchtigkeit durch Niederschläge auskommen entdeckt man bei einem Streifzug entlang des Rundwanderweges und Moorlehrpfades.
Ein größerer aber kommerziellerer Naturpark befindet sich in Gmünd-Blockheide. Gmünd – die zweigeteilte Stadt direkt an der Grenze zu Tschechien mit seinen beiden sehenswerten Sgraffitohäusern am Stadtplatz. Im nordöstlichen Waldviertel kann man von der düsteren Burg Raabs, welche sich auf einem Felsvorsprung erhebt – sie zählt übrigens zu den ältesten Schlössern des Landes – einen herrlichen Ausblick genießen. In Drosendorf, dem verwunschenem Burgstädtchen mit dem pittoresken Ortsbild und mitteilsamen alten Gemäuern, kann man entlang der vollständig erhaltenen Stadtmauer spazieren und sich an dem herrlichen Blick ins Thayatal erfreuen.
In Hardegg, der mit unter 100 Einwohnern kleinsten Stadt Österreichs, ist nicht nur der Ausgangspunkt des Nationalparks Thayatal sondern auch eine imposante Ritterburg mit vier Türmen absolut sehenswert. Unbedingt einen Besuch sollte man dem benachbarten, idyllisch gelegenen Barockschloss Riegersburg abstatten. Zahlreiche Rad- und Wanderwege sowie Golfplätze in Litschau, Haugschlag und Waidhofen an der Thaya laden zum sportlichen Ausgleich ein.
Kulinarische Genüsse der Region
Die Region Waldviertel ist auch ein kulinarisches Erlebnis: Sie bietet köstliche Produkte aus natürlicher, gesunder Umgebung an. Keinesfalls entgehen lassen sollte man sich die Waldviertler Forellen und Karpfen, die unzähligen Erdapfelgerichte (österr. auch Erdäpfel, Kartoffel), Knödel (österr., Klöße), Torten und Mohnspeisen und selbstgebrauten Biere aus den bekannten Bierbraustädten Zwettl, Schrems und Weitra. Weitra wird als älteste Braustadt Österreichs bezeichnet und punktet weiters mit dem über der Stadt thronendem Renaissance-Schloss; der Ausblick von darob ist einfach herrlich.
Geheimtipp „Mystisches Waldviertel“, oben im Hochland, wo nicht nur die Luft, sondern auch die Gefühle plötzlich klar sind. – Einmal dem Zauber des rauen Landes und dem Charme der Region verfallen, wird es einen wohl nie mehr loslassen. Autor Rosa G. Reiner
Weiterführende Links:
Österreich Reisetipps
Österreich Informationen
Linktipp: Waldviertel-Blog
Fotonachweis: Niederösterreich-Werbung/Anton Bayr
Vielen Dank für die Erwähnung meines Waldviertel-Blogs!
Schöne Grüße aus dem Waldviertel
[...] das österreichische Magazin in Deutschland, bringt eine ausführliche Reportage über das magische Viertel an der Grenze. [...]