Von der Leyen hat auch Männer zu “Krippenkämpfern” gemacht

Artikel vom: 16. Mai 2007


Für die Kleine Zeitung kommentiert Carina Kerschbaumer die Projekte der deutschen Familienministerin Von der Leyen (CDU). Das deutsche Modell auch interessant für Österreich?

Graz (OTS) – Ursula von der Leyen, die deutsche Familienministerin, hat es geschafft. Die ungeliebte Mutter der
Nation, wie sie die “Welt” nannte, wird nicht nur immer beliebter, sie hat mit der Einigung über die Finanzierung von 500.000 neuen Krippenplätzen auch einen völlig neuen Weg in der Familienpolitik ihrer Partei eingeschlagen.

Da ging es zunächst nicht nur um die Frage, wie die Milliarden für die neuen Krippen aufgebracht werden können. Da ging es vor allem einmal um ideologische Vorbehalte gegen Fremdbetreuung von Kindern unter drei Jahren. Die Botschaft “Mutti soll nicht mehr zu Hause bleiben” stellte vor allem für viele ihrer Parteifreunde einen unverdaubaren Brocken mit dem Geschmack von Salzsäure dar. Das bisherige Familienbild der CDU, nach dem der Vater arbeitet und die Mutter zu Hause die Kinder versorgt, hat die Familienministerin konsequent auf den Kopf gestellt.

Die streitbare Ministerin hat aber längst männliche Mitstreiter in der eigenen Partei für sich gewonnen. Es sind jene Parteigranden wie ein Edmund Stoiber, deren Töchter heute ihren Vätern erklären, wie notwendig Betreuungsplätze seien. Sie hat es aber auch geschafft, dass Zeitungen wie das Handelsblatt oder die deutsche Financial Times, in denen früher das Wort Krippe ein Fremdwort gewesen ist, seitenlang über die Notwendigkeit von Betreuung berichtet haben.

Mit dem eigenen Geburtenrückgang und dem Vorbild von Frankreich und Dänemark vor Augen, die zu den geburtenstärksten Ländern zählen, haben Von der Leyen und Angela Merkel auf eine im Grunde banale
Lebensrealität reagiert. Dass nämlich ein durchschnittlicher Alleinverdiener eine vierköpfige Familie kaum noch erhalten kann und die Berufstätigkeit der Frau somit für viele schlicht eine existenzielle Frage ist. Es ist ihnen aber auch gelungen, dass die Killerfrage, ob eine Krippe überhaupt zumutbar ist, umgewandelt wurde in die Frage, wie Fremdbetreuung aussehen muss, um für Kinder und Eltern zumutbar zu sein.

Auf die Lebensrealität von Familien hat Österreich im Gegensatz zu Deutschland bis heute kaum reagiert. Nach wie vor gibt es Betreuungsplätze für nur elf Prozent der Unter-Dreijährigen. Bleibt abzuwarten, wann bei uns nach Kondomaktionen und der x-ten Bedarfserhebung Konsequenzen aus der Lösungsstrategie der Frauen auf eine kinderabweisende Politik gezogen werden. Eine Strategie, die sehr still vollzogen wird: der Verzicht auf Kinder. Eine Kämpferin wie Ursula von der Leyen ist in Österreich derzeit aber nicht in Sicht.

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