Artikel vom: 8. September 2008
Die wohl bekanntesten drei Worte Leopold Figls waren 1955 der Startschuss für die zweite Republik: Österreich ist frei. Vom Balkon des Belvedere aus verkündet er am 15. Mai 1955 die Unterzeichnung des Staatsvertrages, an dessen Gelingen er maßgeblich beteiligt war. Aber wer war Figl?Natürlich ist er den Schülerinnen und Schülern bekannt als (Mitbe-)Gründer der ÖVP, weniger bekannt dürfte ihnen die Kukuruz-Wette mit Nikita Chruschtschow sein.
Der Reihe nach. Figl wurde 1902 in Niederösterreich geboren. Nach dem erfolgreichen Studium der Agrarwissenschaften wuchs sein politischer Einfluss mit der Ernennung zum Direktor des niederösterreichischen Bauernbundes 1934. Bereits 1938 wurde Figl im Zuge nationalsozialistischer Restriktionsmaßnahmen verhaftet und mit dem so genannten „Prominententransport“ ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Zuvor hatte er sich als Gegner des „Anschlusses“ Österreichs ans Deutsche Reich einer antinationalsozialistischen Untergrundbewegung angeschlossen.
1943 kam er frei. Bereits ein Jahr später wurde Figl erneut verhaftet, die Hinrichtung wurde lediglich durch den Einmarsch der Roten Armee verhindert. Nach der Befreiung 1945 wurde er zum niederösterreichischen Landeshauptmann ernannt. Figl war von 1945 bis 1952 Obmann der Volkspartei, in den Monaten April bis Oktober 1945 Staatskanzler in der provisorischen Renner-Regierung, war also der erste Kanzler der neuen österreichischen Republik. Nach seinem Amt als Außenminister wurde er 1962 Präsident des Nationalrats, bis 1965 blieb er Landeshauptmann von Niederösterreich. Er starb 1965.
Die Kukuruz-Wette
Bei einem Besuch von Chruschtschow in Figls engerer Heimat und seinem Bauernhof behauptete Chruschtschow, dass der russische Mais zehn Mal mehr Ertrag bringen würde als der österreichische. Figl und sein Bruder widersprachen dem natürlich heftig und so wurde um ein Zuchtschwein gewettet. Wie der niederösterreichischen Landeschronik zu entnehmen ist, studierte Figls Bruder die Wachstumsbedingungen des russischen Saatgutes in Ungarn und ein sowjetischer Agrarexperte der Botschaft in Wien kontrollierte das so genannte „russische Feld“. Am 16. Oktober 1961 prüften Figl und der sowjetische Botschafter sowie Experten beider Staaten das Feld und kamen zum Schluss, dass der russische dem österreichischen Mais gleichwertig sei, nicht jedoch den zehnfachen Ertrag brächte. Der Wetteinsatz wurde allerdings nie eingelöst.
Sagenumwoben bleibt auch seine Weihnachtsansprache von 1945: „Ich kann Euch zu Weihnachten nichts geben, ich kann Euch für den Christbaum, wenn ihr überhaupt einen habt, keine Kerzen geben, kein Stück Brot, keine Kohle, kein Glas zum Einschneiden. Wir haben nichts. Ich kann Euch nur bitten, glaubt an dieses Österreich!“ Zum Zeitpunkt der Ansprache allerdings lief kein Tonband mit und Figl sprach diese Sätze (vermutlich erst Jahre später) auf Band nach.
Weiterführende Links:
Berühmte Weinachtsansprache von 1945
Leopold Figl Museum
Staatsvertrag.at
Bruno Kreisky – Österreichs Sonnenkanzler
Ing. Leopold Figl sagte die “berühmten 3 Worte” nicht am Balkon! Der Satz war auch länger, den er im Saal sprach
Theo Luigs