Lob an den Österreichischen Rundfunk (ORF)

Artikel vom: 24. August 2008


Der österreichische Medienmarkt weißt Besonderheiten auf (siehe hier). Eine ist sicherlich, dass es in Österreich neben dem Staatsfernsehen kein nennenswertes Privatfernsehen gibt. Nur via Satelliten kann man „Konkurrenzprogramm“ aus Deutschland sehen. Und dieses Monopol ist Fluch und Segen in einem.

Anders als in Deutschland sind Politiker-Diskussionen im Fernsehen keinem Regelwahn unterzogen. Denn im reglementierungsfreudigen Deutschland ist ein Kanzlerduell kein politisches, sondern fast eins der Generalsekretäre mit den Vertretern des Rundfunks um das Regelwerk. Und in Deutschland gibt es nur Konfrontationen der Spitzenkandidaten von SPD und CDU im Fernsehen. Hier ist Österreich den Deutschen voraus, denn in der kleinen Alpenrepublik bekommt jede Partei die Möglichkeit sich in einer direkten Konfrontation mit den anderen Parteien zu messen (zu den Terminen der TV-Duelle).

Aber das Monopol hat auch seine Schattenseiten. Denn der ORF entscheidet was in Österreich gesendet wird oder nicht. Gerade Auslandsösterreicher waren Leidtragende des oft feudalistisch anmutenden Gebärens einiger ORF-Verantwortlicher (siehe hier). Dieses Jahr muss man den ORF zumindest in einem Punkt loben. Denn die Verantwortlichen am Küniglberg schaffen es endlich die TV-Konfrontationen der Spitzenkandidaten auch im Internet zu übertragen. Auf gut Deutsch heißt es nun für die 500.000 Auslandsösterreicher, endlich mehr vom Wahlkampf mitzubekommen. Natürlich sind die TV-Konfrontationen nicht immer ein Hochgenuss, aber aus demokratiepolitischer Sicht ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Ob es an den Entwicklungen der Zeit (Web 2.0 dürfte vielleicht sogar ein paar ORF-Funktionären ein Begriff sein) oder die kluge Entscheidung der Redaktion war, wir wissen es nicht. Aber es ist auch nicht wichtig warum der ORF die wichtigsten Sendungen zur Nationalratswahl im Internet überträgt, sondern dass er es überhaupt macht.

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