Artikel vom: 18. August 2008
Das österreichische Trio namens „maschek“, das sich eigentlich nicht gerne als Satiriker bezeichnen lässt, hat beim Amtsantritt von Alfred Gusenbauer eine Puppen-Show mit dem bezeichnenden Namen „Beim Gusenbauer“ ins Leben gerufen. In einer der ersten Folgen, wo es noch um die Koalitionsverhandlungen geht, kommt von der Puppe Gusenbauer der Satz: „Damit stelle ich sogar den Kreisky in den Schatten!“ Inwieweit das der Wahrheit oder nur reiner Satire entspricht wollen die folgenden Zeilen klären.
Wenn man Zeitzeugen rein oberflächlich zu Bruno Kreisky befragt, ohne zu sehr auf seine Politik in erster Linie einzugehen, dann hört man immer zwei Dinge. Erstens hat er als Kanzler immer Designeranzüge aus London getragen, was ein heutiger sozialer Politiker bestimmt nicht mehr wagen würde und was auch damals schon angekreidet wurde. Zweitens fällt den Zeitzeugen sofort seine langsame Sprechweise ein. Es gab zu seiner Zeit auch Witze über diese Art des Vortrags, über die er als Kanzler der Medien bestimmt auch selbst gelacht hat.
Es gab im Radio zu dieser Zeit immer eine Sendung, die vollständig mit einer Rede des Kanzlers gefüllt war. Laut dem einen Witz wollte man diese Sendung folgendermaßen ankündigen: „Es kommt die Sendung mit dem Kanzler und in den Pausen bringen wir Musik!“ Ein anderer Witz besagte, dass Kreiskys Sekretärin gefeuert wurde, da sich nicht so langsam stenographieren konnte, wie er diktiert hat.
Diese zwei Witze unter vielen anderen sagen aber vor allem aus, wie allgegenwärtig der rote Kanzler in den Köpfen der Menschen war und das hatte nicht nur mit seiner Medienwirksamkeit zu tun, sondern auch mit seiner doch sehr erfolgreichen Politik. Genau diese Politik fehlt der heutigen SPÖ.
In seiner ersten Regierungszeit hat Kreisky Mut bewiesen und ist eine Minderheitsregierung eingegangen. Eine Option, die auch 2006 für Gusenbauer offen stand und bei der er heute selbst weiß, dass es die bessere gewesen wäre. Alfred Gusenbauer hat also der Mut von Kreisky gefehlt. Während seinen ganzen zwei Legislaturperioden hat Kreisky es auch immer geschafft sich mit dem oppositionellen Lager, sprich der ÖVP, zu arrangieren, um wirklich eine Politik zu machen, die das Land voran bringt. Die heutige SPÖ hat es nicht einmal geschafft sich mit der Koalitionspartei, ebenfalls der ÖVP, auf eine Richtung in vielen Fragen zu einigen und wieder kann man sagen, dass Gusenbauer sich nicht mit Kreisky messen kann.
Weiters soll noch erwähnt sein, dass die rote Politik von Kreisky tatsächlich in manchen Bereichen wirtschaftlicher und neo-liberaler war, als die heutige Politik der SPÖ, selbst als der ÖVP in diesem Wahlkampf. Gegen das ganze Volk stimmend wollte Kreisky das Atomkraftwerk Zwentendorf in Betrieb nehmen, was er letztlich doch nicht tat, aber gegen ebenso viele Stimmen hat Kreisky die UNO-City in Wien errichtet, die im heute, 20 Jahre später erst, noch viele Lobgesänge in sein Grab nachhallen lässt.
Zu diesem Punkt gibt es auch noch eine sehr beispielhafte Anekdote. Bruno Kreisky ist in Israel verstorben und nach seinem Tod, haben die Spitzenpolitiker der ÖVP alles dafür getan, damit der Leichnam des großen, roten Kanzlers in die Heimat überführt wird. Als dann einer der Politiker der ÖVP gefragt wurde, warum sich gerade die Oppositionspartei so viel Mühe in dieser Sache gibt, war die Antwort sehr aussagekräftig: „Dort in Israel ist schon einmal jemand wieder auferstanden!“
Dies zeigt eindeutig welch ein harter Verhandlungspartner Kreisky war und wie viel Respekt er genoss, egal ob bei Freunden oder Feinden.
Weiterführende Links:
Kreisky Stiftung
Bruno Kreisky
Kaiser Franz Joseph 1
Darum nerven Österreicher
Artikel von:
Patrick Berger, Student der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck, arbeitetet als freier Autor und schreibt seit 2008 für Österreich News.