Der glücklose Kaiser – Franz Joseph I.

Artikel vom: 25. Juli 2008


Seit Napoleon Anfang des 19. Jahrhundert maßgeblich zur Änderung des politischen und sozialen Gefüge in Europa beigetragen hatte, begann mit dem Amtsantritt Franz Josephs I, im Jahr 1848 als österreichischer Kaiser, eine weitere Herrschaft, die großen Einfluss auf Europa und dessen wandelndes Bild haben sollte. Die große Spannweite dieser Veränderung kamen vor allem durch die lange Herrschaftszeit Franz Josephs zustande, die mit über 60 Jahren auf dem Thron, deutlich länger war, als bei vielen seiner Vorgänger.

Kaiser Franz Joseph

Kaiser Franz Joseph

Die lange Periode des Kaisers, hineinreichend bis zu seinem Todesjahr 1916, wurde geprägt von vielen politischen Entscheidungen, von denen besonders im Nachhinein nur wenige als sinnvoll erachtet werden, sowie einer Reihe von tiefen Schicksalsschlägen, die Franz Joseph und seine Familie betrafen. Daher galt der Kaiser bereits zu seinen Lebzeiten als umstritten, ein Bild, das sich bis heute nur oberflächlich verändern sollte und von vielen Missverständnissen und Aussparungen geprägt wurde. Vor allem konnte er die in ihn gesetzten Erwartungen nach der bürgerlichen Revolution nicht erfüllen.

Von der Revolution auf den Thron
Bis und einschließlich 1848 durchzogen Revolutionen die Städte Europas, von Berlin bis Wien. Herbeigeführt durch Studentenbewegungen und dem Drang nach liberaleren Staatsformen, konnten sich auch die großen Herrschaftshäuser dem Druck des Volkes nicht gänzlich entziehen. Als eine Folge dieser Handlungen, verzichtete der bis dahin regierende Kaiser von Österreich, Ferdinand I, auf den Thron, der schließlich an Franz Joseph I. überging. Der, am 18. August 1830 in Wien geborene Sohn von Erzherzog Franz Karl I. und Prinzessin Sophie von Bayern, wurde damit bereits mit 18 Jahren Kaiser von Österreich und erhielt dieses Amt, da sein Vater nach einem Familienrat darauf verzichtete.

Politisches Wirken von Kaiser Franz Joseph I
Die Politik des Kaisers war geprägt durch einen starken Willen Veränderungen durchzuführen. Doch die Umsetzung und die damit einhergehenden Entscheidungen führten nur selten zum gewünschten Ziel, weshalb man Franz Joseph bereits zu Lebzeiten keine politische Weitsicht hinterher sagte.

Unter allen Umständen wollte Franz Joseph weitere Revolutionen verhindern. Daher baute er stark auf das Militär und die katholischen Kirche. Diese Verbindung sollte für Ruhe und Zufriedenheit im Volk sorgen. Um seine Ziele zu erreichen, wollte der Kaiser zentral entscheiden und so viel Macht wie nur möglich erhalten. Doch nachdem 1859 unter seinem Oberbefehl, die österreichischen Truppen die Schlacht von Solferino verheerend verloren und damit auch den gesamten Sardinischen Krieg, waren Änderungen in der Verfassung unausweichlich. In den folgenden Jahren wurde ein Reichsrat eingeführt, der seine Macht schmälerte.

Nachdem 1866 auch der Krieg gegen Preußen verloren wurde, konzentrierte sich seine Politik auf den Osten und die Balkanländer innerhalb und außerhalb des Kaiserreiches. Nur ungern förderte er dabei die Beziehung zu Ungarn, die vor allem durch den Einfluss seiner Frau Elisabeths positiv verlief, und schließlich damit endete, das Kaiser Franz Joseph I. 1867 zum Apostolischen König von Ungarn gekrönt wurde. Weitere Annäherungen wurden 1878 getätigt, in dem das Kaiserreich die Provinzen Bosnien und Herzegowina besetzte und verwaltete. Nachdem schließlich 1908 dieses Gebiet offiziell dem Reich einverleibt werden sollte, kam es zu weitreichenden Konflikten die beinahe in einen Krieg mündeten. 1914 kam es aufgrund des Attentates auf den Thronfolger Erzherzog Ferdinand und Neffen Kaiser Franz Josephs zum Krieg mit Serbien. Die innereuropäischen Bündnisse und Allianzen lösten den 1. Weltkrieg aus. Der österreichisch-ungarischen Verbündete war das Deutsche Reich unter Führung von Kaiser Wilhelm II.

Familiäre Schicksalsschläge
Häufig wird im selben Atemzug zum Kaiser seine Gattin Elisabeth genannt, die unter dem Namen Sisi bzw. Sissi im nachfolgenden Jahrhundert weltbekannt wurde. Sie war Josephs Cousine, in die er sich schließlich verliebte. Bereits zu Anfang führte das zu Disputen, denn eigentlich sollte Franz Joseph mit Elisabeths älterer Schwester den Bund der Ehe eingehen. Schließlich führte dies auch dazu, dass Franz Josephs Mutter die Erziehung der drei Kinder aus dieser Ehe aus den Händen Elisabeth reißen wollte. Diese weigerte sich aber erfolgreich. In der Folge gab es fortwährend Unruhe in der Familie. Seine Mutter und Gattin bildeten zwei Fronten, während Franz Josephs Sohn, Kronprinz Rudolph, lieber eigene Wege ging, sich also dem Wunsch seines Vaters entgegenstellte, militärische Ausbildung zu genießen. Schließlich brachte sich der Thronfolger im Schloss Mayerling 1889 selbst um. Elisabeth wurde neun Jahre später in Genf ermordet. Neuer Thronfolger wurde damit Franz Josephs Neffe, Franz Ferdinand. Dieser wurde 1914 in Sarajevo ermordet.

Kaiser Franz Joseph I. aus heutiger Sicht
Vor allem in den letzten Jahren seiner Herrschaft, wurde Franz Joseph ruhiger, wenn er auch trotzdem noch dieselbe Macht hatte. Öffentliche Auftritte zeigen ihn als älteren und reifen Mann, unabhängig seiner vielen Falschentscheidungen. Das Ultimatum für Serbien kam vor allem durch das Drängen seiner Minister die an einen schnellen militärischen Sieg gegen Serbien glaubten. Die Aktivierung der europäischen Bündnisse wurde unterschätzt und so strudelte sich die militärisch und technologisch rückständige K & K Monarchie in den 1. Weltkrieg, was 1918 auch die Entmachtung der Habsburger und somit zum Untergang der Monarchie in Österreich führte.

Es schien beinahe so, als wären weit reichend politische Interessen an ihm vorbei gezogen, was natürlich vollkommen disharmonisch zu seiner Stellung als Kaiser gewesen wäre. Häufig wird das Bild des Mannes daher positiver dargestellt, was mitunter daran liegt, dass de facto der Kaiser in 68 Jahren der Herrschaft kaum oder wenige Reformen vollzogen hatte. Seinen Dienst hat er stets erfüllt.. Die großen Veränderungen der Kunst und Kultur basieren bestenfalls auf den politischen Verpflichtungen seines Amtes und nicht auf persönliche Leidenschaften. Und obwohl geschichtlich gesehen die Figur des Kaisers sehr umstritten ist, zurückführend auf seinen lieblosen Entscheidungen, die nicht selten viele Tote nach sich zogen, ist die Gestalt im öffentlichen Licht und in der österreichischen Tourismusbranche eine beliebte Ikone.

Weiterführende Links:
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Wiener Kaffeehaus-Kultur
Österreich Informationen

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Leser Meinungen zu "Der glücklose Kaiser – Franz Joseph I."

  1. AEIOU sagt:

    Eine wirklich gelungene Zusammenfassung. Es ist nicht einfach die Person Franz Josephs so kurz und prägnant wiederzugeben wie das hier geschehen ist. Ein kleiner Tippfehler hat sich nur eingeschlichen: Das Attentat von Sarajevo war 1914 und nicht 1918. Über den Punkt “militärisch und technologische Rückständigkeit” kann man sicher in Diskussion geraten, was in der fachliteratur auch schon zur genüge geschehen ist. Rückständig in Vergleich zum deutschen Kaiserreich oder dem Vereinigten Königreich sicherlich, im Vergleich zu Österreichs direkten Kriegsgegner wie Italien, Rumänien, Russland und Serbien aber wohl kaum.