Artikel vom: 26. Juni 2008
Ein Forscherteam der Unité de Recherche en Génomique Végétale (URGV) in Evry und der Max F. Perutz Laboratories der Universität Wien hat entdeckt, dass nicht nur Fleisch, sondern auch Pflanzen von Salmonellen infiziert werden können.
Das Abwaschen von pflanzlicher Rohkost sei daher kein ausreichender Schutz vor einer Lebensmittelvergiftung. Die Untersuchungen wurden an einer Modellpflanze gemacht, die ideale Voraussetzungen zur zukünftigen Entwicklung von Behandlungs- und Testsystemen im Sinne der Nahrungsmittelsicherheit bietet. Diese Ergebnisse wurden im Fachmagazin PloS ONE publiziert.
“Wir haben einzelne Bakterien mit einem fluoreszierenden Protein markiert und dann sehr deutlich deren Eindringen und Vermehrung in Wurzelzellen beobachten können”, so Forschungsleiter Heribert Hirt im pressetext-Interview. Wie rasant die Bakterien Pflanzen befallen, konnten die Forscher im Rahmen des Projekts des Wissenschaftsfonds FWF auch feststellen: Bereits drei Stunden, nachdem die Pathogene in Kontakt mit den Wurzeln kamen, waren sie in die Zellen feinster Wurzelhaare eingedrungen. “Schon 17 Stunden später waren die inneren Zellschichten infiziert”, erklärt der Genetiker. Die Salmonellen konnten demnach sämtliche Abwehrmechanismen der Pflanze erfolgreich umgehen.
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO werden jährlich 1,5 Mrd. Fälle von Lebensmittelvergiftungen durch Bakterien des Stammes Salmonella verursacht. “Bisher galten Fleischprodukte und Pflanzen, deren Oberfläche mit verunreinigtem Wasser in Kontakt gekommen sind, als einzige Infektionsquelle”, erklärt Hirt. Das Problem der Kontamination von Pflanzen sei bislang jedoch deutlich unterschätzt worden. “Die Bakterien von Salmonella typhimurium können sogar in Pflanzenzellen eindringen und sich dort vermehren”, erklärt der Wissenschaftler. “Wir konnten auch zeigen, dass die Infektionen von Pflanzenzellen aus einem solchen Infektionsherd durchaus aktiv vom Bakterium vorangetrieben werden und nicht wie bisher vermutet eher zufällig.” Systematische Untersuchungen weisen daraufhin, dass diese Phänomene nicht nur bei der Ackerschmalwand, der Modellpflanze, auftreten, sondern auch bei anderen Pflanzen.
“Normalerweise sind Pflanzen bakteriellen Angriffen nicht hilflos ausgeliefert”, erklärt Hirt. Doch bei einer Salmonellen-Infektion versage diese Abwehr komplett. “Obwohl regulierende Proteine bereits 15 Minuten nach einer Salmonellen-Infektion aktiviert werden, können sie die Vermehrung der Bakterien nicht verhindern.” Auch die Abwehr mittels aktivierter Botenstoffe wie Salicyl-, Jasmonsäure oder Ethylen erscheint nutzlos. “Wir kommen daher zum Schluss, dass das Potenzial dieser Pathogene stark unterschätzt wird”, erklärt Hirt.
Bekannt war den Forschern, dass Salmonellen bis zu 900 Tage in kontaminierten Böden überleben können und damit einen geeigneten Infektionsherd für die Pflanzen darstellen können. In Zukunft wird vermehrt darauf Wert zu legen sein, nicht nur bei der Bewässerung kein kontaminiertes Wasser, sondern auch keine Salmonellen-verunreinigten organischen Dünger von Farmen mit Massentierhaltung zu verwenden. Hirt betont die Notwendigkeit der Entwicklung neuartiger Behandlungsmethoden und Testsysteme für Salmonellen-Infektionen in Bewässerungssystemen, Dünger und letztlich in Pflanzen oder pflanzlichen Produkten, die zum ungekochten Verzehr vorgesehen sind.
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