Artikel vom: 27. November 2006
Der gebürtige Wiener Gerhard Holzer hat den Traum vieler Österreicher war gemacht. Er ist den kalten österreichischen Wintern dauerhaft entflohen und lebt seit dem Jahr 2002 auf der Sonneninsel Dominikanische Republik. Seine Frau, eine Dominikanerin hat er in Wien auf der Donauinsel kennen gelernt.
Der zweifache Familienvater hat mit seiner Frau eine Apotheke namens „Farmacia Vienna“ aufgebaut, also auch ein Stück Österreich auf die Dominikanische Insel gebracht. Aber wie sieht der Alltag in einem Ferienparadies für einen Mitteleuropäer aus? Wir haben den Österreicher Gerhard Holzer befragt.
Die meisten hier lebenden Europäer (auch Österreicher) die nicht von einer Pension leben die ich hier kennen gelernt habe kämpfen hier ums tägliche Überleben und sehr viele von ihnen sind auch dem Alkohol verfallen. Meistens waren sie mit einer Dominikanerin verheiratet, dann geschieden und dann sind sie dem Alkohol verfallen.
Zwischen Österreich und Ihrer neuen Heimat gibt es viele Unterschiedlichkeiten. Welche große Unterschiede können Sie im Kulturellen feststellen (Umgang miteinander, Bräuche, soziale Codes, Rechtskultur etc)?
Wirkliche Kultur und Bräuche habe ich hier nach 13 Jahren leider noch immer nicht viel feststellen können. Ein Brauch ist zum Beispiel zu Weihnachten gibt es keine Geschenke, die Kinder erhalten am Dreikönigstag Geschenke. Hier ist es größtenteils leider noch immer so dass derjenige der das Geld hat immer Recht hat. Auch die Rechtskultur besteht aus Korruption.

Der Auslandsösterreicher & Unternehmer Gerhard Holzer
Vorteile der Dominikanischen Republik sind, ungezwungener zu leben, leichter ein Geschäft zu eröffnen. Klima bedingt sind wenige Ausgaben für Bekleidung notwendig. Dein Einstllung “was nicht heute ist, ist halt morgen”, ist wohl der große Mentalitätsunterschied zu den Österreichern.
Nachteile: Tägliche Stromausfälle von ca. 10 Stunden wenn du keinen eigenen Brunnen hast, muss man Wasser kaufen. Schmutz auf allen Ecken und Enden auch in den abgelegensten Winkeln. Die jährliche Gefahr dass dir ein Hurrikan deine Hütte wegblast. Hohe Kriminalität und ein schlechtes Bildungswesen.
Haben Sie ab und zu Heimweh nach Österreich und was geht Ihnen von der alten Heimat am meisten ab?
Richtiges Heimweh habe ich bis jetzt noch nicht gehabt. Meine Familie kommt mich auch des Öfteren besuchen. Was mir fehlt sind mein Freundeskreis, ein bisschen die österreichische Hausmannskost vorallem aber Semmeln und Schwarzbrot, sowie die österreichische Natur (z.B Nationalpark Gesäuse) obwohl ich aus Wien komme.
Welche Erfahrung haben Sie als Unternehmer auf der Sonneninsel erlebt?
Das es schwer ist, vertrauenswürdiges kompetentes Personal zu finden und dadurch bin ich 80 Stunden wöchentlich im Geschäft.
Welche Tipps haben Sie für Österreicher, die Ihrem Beispiel folgen wollen und eine Existenz im (tropischen) Ausland aufbauen wollen?
Für Millionäre habe ich keine Tipps, für alle anderen kann ich nur empfehlen bevor sie hier eine Existenz aufbauen wollen, eine Arbeit am besten von Österreich aus zu suchen oder mit ca. 150.000 Euro Startkapital und einer dominikanischen Vertrauensperson zu kommen. Man muss immer auf der Hut zu sein, denn jeder unbescholtene Dominikaner auch jeder unbescholtene Ausländer mit Residencia bekommt einen Waffenschein und als scheinbar wohlhabender Gringo ist man immer ein Zielobjekt.
Was würden Sie anders machen, wenn Sie noch mal die Möglichkeit hätten auszuwandern?
Versuchen mehr Startkapital mitzubringen.
Herr Holzer wir bedanken uns recht herzlich und wünschen Ihrer Familie und Ihnen alles Gute in der Ferne.
Weiterführende Links:
Informationen für Auswanderer
Andere Länder – andere Sitten, interkulturelle Hürden
Goodbye – Interview mit Buchautorin Sigrid Steiner zum Thema auswandern
Leben in Finnland – Interview mit Christine Grabnegger-Raesaenen
Ossis arbeiten in Österreich